20 Minuten Lesen für mehr Lesekompetenz
Lesen ist eine zentrale Grundlage für erfolgreiches Lernen – und soll in den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft künftig noch systematischer gefördert werden. Gemeinsam mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft startet die Autonome Hochschule Ostbelgien (AHS) ein dreijähriges Pilotprojekt zur Leseförderung. In sieben Schulen und Kindergärten wird ein neues Konzept erprobt, das regelmäßige Lesezeiten verbindlich im Schulalltag verankert.
Im Mittelpunkt steht das sogenannte Leseband: An mindestens drei Tagen pro Woche wird eine feste Lesezeit von 20 Minuten eingeplant. Dabei geht es nicht allein darum, dass Kinder selbstständig in einem Buch lesen. Je nach Alter und Lernstand kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz – beispielsweise Lesen in Tandems, Hörbuchlesen oder chorisches Lesen. Neben der Leseflüssigkeit sollen auch das Leseverstehen und die Lesemotivation gestärkt werden.
AHS begleitet Projekt fachlich und wissenschaftlich
Die AHS ist als Projektpartnerin eng in die Umsetzung eingebunden. Der Fachbereich Bildungswissenschaften übernimmt die fachliche Beratung der teilnehmenden Schulen und begleitet die Lehrpersonen während der dreijährigen Pilotphase. Ergänzend werden Weiterbildungen angeboten – sowohl schulintern als auch gemeinsam für die Lehrkräfte aller beteiligten Schulen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts. Um die Entwicklung der Kinder zu untersuchen, werden zu Beginn und am Ende jedes Schuljahres Lesetests in den dritten und fünften Schuljahren durchgeführt. So soll nachvollziehbar werden, wie sich die regelmäßige, verbindliche Lesezeit auf die Leseflüssigkeit und das Leseverstehen auswirkt.
Die Projektleitung an der AHS liegt bei Gabriele Goor und Dominique Chavet. Fachbereichsleiter Thomas Ortmann begleitet das Projekt ebenfalls und unterstreicht die Bedeutung des Lesens für den gesamten Bildungserwerb: Lesekompetenz wirkt sich nicht nur auf das Fach Deutsch aus, sondern kann auch für andere Lernbereiche von Bedeutung sein.
Vom Kindergarten bis zum sechsten Schuljahr
Das Projekt orientiert sich an einem Konzept des Germanisten Steffen Gailberger, das zunächst in Hamburg umgesetzt und später an weiteren Standorten erprobt wurde. Für Ostbelgien wurde der Ansatz erweitert: Während vergleichbare Projekte bislang vor allem die Primarschule in den Blick nehmen, setzt die Leseförderung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bereits im Kindergarten an und begleitet die Kinder bis zum sechsten Primarschuljahr.
In der Pilotphase sollen rund 1.800 Kinder erreicht werden. Beteiligt sind die SGO, die SGU, die Schulgemeinschaft Lontzen-Walhorn, die Gemeindeschule Iveldingen-Born-Deidenberg, die Gemeindeschule Raeren sowie schrittweise die Gemeinsame Grundschule Bütgenbach und die Gemeindeschule St. Vith.
Das erste Projektjahr dient der Erprobung und Begleitung des Konzepts. Anschließend soll das Angebot schrittweise auf weitere Schulen ausgeweitet werden. Langfristiges Ziel ist es, alle Grundschulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu erreichen.
Mit der Verbindung von verbindlicher Lesezeit, konkreten Fördermethoden, Weiterbildung und wissenschaftlicher Begleitung soll das Projekt dazu beitragen, Leseförderung nachhaltig im Schulalltag zu verankern.