Kernpraktiken
„Die Lehrkräftebildung ist konsequent an Core Practices des Lehrberufs auszurichten." Dies empfiehlt eine Expertenkommission aus Bayern für die Lehrkräftebildung des 21. Jahrhunderts. Was sind Core Practices oder Kernpraktiken? Und wie werden sie in das Studium an der AHS integriert?
Der Ansatz der Kernpraktiken ist ein aufstrebendes Konzept in der Professionalisierung und Ausbildung von Lehrpersonen. Mit der Reform des Lehramtsstudiums an der AHS ist dieser Ansatz seit September 2025 fest verankert. Die bisherigen Laboratorien wurden durch dieses Konzept erweitert.
Was sind Kernpraktiken?
Kernpraktiken sind eine Antwort auf das Problem der Theorie-Praxis-Kluft der Lehrerbildung und haben das Ziel, empirisches Wissen, mit professionellem Handeln und reflexiver Praxis zu verknüpfen. Ausgangspunkt für den Aufbau der professionellen Kompetenzen sind berufliche Tätigkeiten; fokussiert wird wirksames Handeln und unterrichtliche Performanz.
Kernpraktiken (oder Core Practices) sind Unterrichtskomponenten, die häufig zum Einsatz kommen, relevant für die Fortschritte der Lernenden sind, die erlernbar und adaptierbar sind und die evidenzbasiertes didaktisches und psychologisches Wissen beinhalten. Bisweilen werden Kernpraktiken auch als Cluster flexibel einsetzbarer Tätigkeiten beschrieben, die in der Tiefe verstanden und habitualisiert sind, um gewisse berufliche Herausforderungen möglichst wirkungsvoll zu bewältigen.
Kernpraktiken stellen demnach Praktiken dar, die…
- oft im Unterricht auftreten.
- von Lehrpersonen über verschiedene Fächer, Inhalte und Instruktionsansätze hinweg verwendet werden.
- Lehrpersonen Gelegenheit bieten, mehr über die Kinder und den Unterricht zu erfahren.
- die Komplexität und Integrität des Unterrichts bewahren.
- forschungsbasiert sind und das Potenzial haben, Schülerinnen- und Schülerleistungen zu verbessern.
Kernpraktiken sind keine einfach übertragbaren Handlungsanleitungen oder direkt anwendbaren Unterrichtsrezepte. Kernpraktiken werden von den Lehrpersonen von Grund auf entwickelt und durch Wissen, Erfahrung, Feedback und Reflexion kontinuierlich weiterentwickelt. Mit der Zeit werden die Praktiken so verinnerlicht, dass sie intuitiv angewendet werden können. Ziel der Bearbeitung von Kernpraktiken ist, dass die Studierenden die Bedeutung von grundlegenden Handlungsformen verstehen und die Kernpraktiken flexibel in Situationen des beruflichen Handelns umzusetzen.
Wie werden die Kernpraktiken in das Studium integriert?
Es gibt keinen schnellen Weg zum Aufbau von Kernpraktiken, es ist ein längerdauernder Prozess. Im Studium der AHS werden ausgewählte Kernpraktiken in wiederholten Zyklen bearbeitet, die folgende Schritte beinhalten:
- Fokussieren auf eine Kernpraktik,
- Erproben der Kernprakitk,
- Praktizieren und Üben im Praktikum,
- Auswerten und Festlegen von Zielen.
Die Praktika sind prädestiniert, um an Kernpraktiken zu arbeiten. Je mehr sich kooperative Formen der Praktikumsgestaltung etablieren, desto mehr Lerngelegenheiten für den nachhaltigen Aufbau von Kernpraktiken bieten sich an. Praktiken können besser fokussiert und trainiert werden, wenn dank der Mitwirkung weiterer Lehrpersonen im Co-Teaching die Komplexität eines Ganzklassenunterrichts und die Verantwortung für die Studierenden reduziert wird.
Welche Kernpraktiken werden geübt?
Die folgenden Kernpraktiken werden im Studium bearbeitet. Zu jeder Kernprakitk gibt es ein erklÄrendes Fact-Sheet mit einem Reflexions- und Beobachtungsbogen. Somit dienen die Kernpraktiken auch der Etablierung einer gemeinsamen Sprache zwischen Hochschule, Praktikum und Schule.
Wie werden die Kernpraktiken im Praktikum bearbeitet?
Jedes Praktikum beinhaltet verschiedenen Aufgaben für die Studierenden, darunter auch das Üben von Kernpraktiken. Folgende Abfolge wird dabei durchlaufen:
- Studierende(r) informiert über die zu übende(n) Kernpraktik(en)
- Studierende(r) und Ausbildungsbegleitung vereinbaren, wann und wo die Kernpraktiken im Unterricht der Ausbildungsbegleitung geübt werden können.
- Studierende(r) und Ausbildungsbegleitung tauschen über die Unterrichtsplanung aus und klären Moment(e) und Inhalt(e) der Übungsmomente (Co-Planning)
- Studierende(r) überträgt die Planung in eine grobe Verlaufsskizze und bereitet sich auf die zu übende Kernpraktik vor
- Studierende(r) und Ausbildungsbegleitung unterrichten gemeinsam und Studierende(r) wendet die vorbereitete(n) Kernpraktik(en) an (Co-Teaching)
- Nach der Durchführung reflektieren Studierende(r) und Ausbildungsbegleitung gemeinsam über die Durchführung der Kernpraktik(en) mit Blick auf die Lernerfolge der Kinder (Co-Reflection)